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Thomas Bernhard

Auslöschung

  • Ein Zerfall
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»Auslöschung« ist der Titel einer Niederschrift, die Franz-Josef Murau in seinem letzten Lebensjahr in Rom verfaßt hat und die Thomas Bernhard zugänglich macht.

Diese Aufzeichnungen waren für Murau unumgänglich geworden, da in ihnen ein Thema im Zentrum steht, das seine ganze Existenz zerstört hat, nämlich seine Herkunft. Dieser »Herkunftskomplex« läßt sich mit dem Namen eines Ortes bezeichnen: Wolfsegg.

Hier ist Murau aufgewachsen, hat er den Entschluß gefaßt, daß er, will er sich, seine geistige Existenz retten, Wolfsegg verlassen muß. Obwohl er deshalb beabsichtigt, Wolfsegg zu meiden, muß er dennoch dorthin reisen: seine Eltern und sein Bruder sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Dieser erneute Wolfsegg-Aufenthalt macht Murau deutlich, daß er sich von Wolfsegg endgültig lösen muß. Er faßt den Entschluß, über Wolfsegg zu schreiben, und zwar mit dem Ziel, das in diesem Bericht »Beschriebene auszulöschen, alles auszulöschen, das ich unter Wolfsegg verstehe, und alles, das Wolfsegg ist«.

Über den Autor

Thomas Bernhard

Thomas Bernhard, 1931 in den Niederlanden geboren und 1989 in Gmunden gestorben, zählt zu den bedeutendsten österreichischen und deutschsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts – in 42 Sprachen übersetzt, mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet und bis heute einer der meistgelesenen und meistgespielten Autoren im deutschsprachigen Theater.

Nach einer schweren Lungentuberkulose, die er in mehreren Sanatorienaufenthalten überstand, wandte er sich vollständig dem Schreiben zu – und entwickelte dabei eine Stimme, die in der deutschen Literatur ohne Vorbild ist: atemlos, kreisend, von beißender Ironie und schwarzem Humor durchzogen, immer am Rand der Raserei. Österreich, seine Heimat, behandelte er zeitlebens wie einen Feind, den man nicht loswerden kann.

In „Auslöschung", seinem letzten und umfangreichsten Roman, rechnet er ab – mit der Familie, mit Österreich, mit dem Nationalsozialismus und seinen verschwiegenen Erben.

Franz-Josef Murau, Literat und Lebemann in Rom, erfährt vom Tod seiner Eltern und seines Bruders. Er muss zurück nach Wolfsegg, in das Schloss, das er hasst, zu einer Vergangenheit, die er nie losgeworden ist. Was folgt, ist ein rücksichtsloser Monolog über Herkunft, Schuld und die Unmöglichkeit, sich von beidem zu befreien. Wer einmal anfängt, hört nicht mehr auf – und versteht hinterher, warum Bernhard eine ganze Generation von Schriftstellern geprägt hat.