
Fiona Sironic
Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft
Eine erste Liebe zwischen Festhalten und Vernichten, Aussterben und Weiterleben
Es brennt. In den Wäldern und auf den Screens. Die 15-jährige Era lebt mit ihrer Mutter am Waldrand und versucht dem schleichenden Prozess der Zerstörung etwas entgegenzusetzen, indem sie das Aussterben der Vögel dokumentiert. In einem Stream beobachtet sie ihre Mitschülerin Maja und deren Schwester Merle, die auf der benachbarten Lichtung Festplatten in die Luft jagen.
Maja ist die Tochter zweier Momfluencerinnen, die versucht, die Erinnerungen an eine öffentliche Kindheit auszulöschen. Während Era Notizbücher führt, Zeichnungen anfertigt und all das Wissen, auf das sie Zugriff hat, zu ordnen versucht, bildet Maja eine zerstörerische Gegenkraft. Dennoch sind Era und Maja verbunden in ihrer Suche nach Intimität und analogen Reizen. Während die Turteltaube ausstirbt, verlieben die beiden sich ineinander. Aber nicht nur die Vögel sind bedroht: Als ein großflächiger Brand den Wald zerstört, verlieren auch die Mädchen einen bedeutenden Teil ihres Lebensraums.
Wer verstehen will, wie die nächste Generation tickt – wie sie Klimaangst, digitale Dauerüberwachung und das Gefühl, in eine bereits beschädigte Welt hineingewachsen zu sein, verarbeitet – kommt an diesem Roman nicht vorbei. Fiona Sironic erzählt keine Dystopie, sondern eine absehbare Zukunft: nah genug, um unbequem zu sein. Ein Buch, das keine politischen Antworten liefert, aber die richtigen Fragen stellt – und das mit einer sprachlichen Präzision, die auch gestandene Leser überraschen wird.

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